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Blog 2015/3. Quartal - Archiv - MINTiKis Krims-Krams-Blogkiste


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14.08.2015

 

Ist Fernsehen vorsätzliche Körperverletzung von Minderjährigen?

 

Aktuell:

↗Unsere Pedition "Für die Demokratisierung der öffentlich rechtlichen Rundfunk- & Medienanstalten"

 

"Die Leute sind gar nicht so dumm, wie wir sie durchs Fernsehen noch machen werden." Hans-Joachim Kulenkampff


Kind_beim_Fernsehen.jpgVornweg, es geht nicht darum, irgendwelche Dinge grundsätzlich zu verbieten – ich habe eine persönliche Meinung zu bestimmten Filmen und „künstlerischen Ausdruckformen“, aber diese sind nicht Bestandteil meiner Klage, sondern ob bestimmte Formen des Angebotes öffentlich finanziert werden dürfen. Es sind zweierlei Dinge ob ich Horrorfilme, Musikanten Stadel, Alkohol, …  nicht öffentlich-rechtlich finanzieren darf oder verbieten möchte. Finanziert werden dürfte und sollte höchstens die unabhängige Aufklärung der Gefahren dieser Angebote, nicht die Angebote selbst.
Hinzu kommt die Differenzierung von voll rechtsfähigen Bürgern und Minderjährigen bzw. Schutzbefohlenen. Es sind also entsprechend wieder zwei völlig unterschiedliche Dinge, ob ich Erwachsenen etwas gestatte nach der eigenen Entscheidung zu konsumieren oder eben Minderjährigen (vergleiche Rauchen, Alkohol und so weiter).
Ein weiterer Punkt ist, dass Schutzbefohlene selbstständige Persönlichkeiten sind, deren Rechte sich nicht auf die Fähigkeiten der Eltern beschränken, geschweige denn dass Eltern über Besitzrechte an ihren Kindern verfügen, auch wenn Eltern das häufig gern übersehen. Es geht auch nicht darum Eltern zu verurteilen, wenn man einmal Teletubbies sieht, sondern darum, die Verantwortlichen des Programmes (Sender) nicht aus der Verantwortung für die Konsumenten (Kinder) zu entlassen mit der Begründung, es sei allein Sache der Eltern. Die Gestaltung des Programmes hat außerdem so zu erfolgen, dass Eltern zuhause keine Kämpfe austragen müssen, um ihre Kinder vom Fernsehen abzuhalten oder besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen, damit der Fernseher nicht einfach anzuschalten geht. Die meisten Eltern müssen (und wollen und sollen, wenn auch meiner Ansicht nach zu lang) Arbeiten gehen. Wenn die Kinder also nach der Schule nach hause kommen ist häufig kein Elternteil vor Ort.

 

Was heißt das?

 

Ich darf einem Kind nicht vorsätzlich eine Zigarette/ Alkohol/ Drogen /Medikamente anbieten, nur weil es unfähige Eltern hat und ich darf sie Kindern nicht einfach zugänglich machen, selbst wenn Eltern ihre Aufsichts- und Fürsorgepflicht verletzen. Ich möchte damit nur verdeutlichen, dass es NICHT alleine Aufgabe der Eltern ist, sich darum zu kümmern, dass Kinder das Falsche ansehen. Ich darf ein Kind auch nicht Schlagen oder sonst wie misshandeln, nur weil seine Eltern gerade nicht in der Nähe sind und/oder ihre Aufsichtspflicht verletzen. Und vom Prinzip her ist man sogar verpflichtet einzugreifen, wenn Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzen und damit ihrem Kind schwere Schäden zufügen, selbst wenn es nur fahrlässig ist. Deshalb wurde Kinderarbeit und ähnliches in Deutschland verboten und besondere Schutzrechte und –pflichten bezogen auf Kinder eingeführt. (Schutzbefohlene lt. Strafgesetzbuch Art.§225[1]). Natürlich haben auch Eltern das Recht, bestimmte Dinge selbst zu entscheiden, da viele Dinge eben auch Ansichtssache sind, beziehungsweise eine Frage der Quantität. Zucker ist in entsprechenden Dosen auch giftig, deswegen ist ein Stück Schokolade im Allgemeinen nicht gefährlich, allerdings ist eine massenhafte Verteilung an Kinder wiederum nicht im Sinne des Wohles des Kindes und darf damit nicht gesellschaftlich finanziert werden, unabhängig vom Geisteszustand der Eltern.

Im Falle von Fernsehprogrammen, Computerspielen und Co bin ich deshalb gegen ein Verbot, bei hinreichend ausführlicher und qualitativ hochwertiger Aufklärung durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, aber strikt gegen eine öffentlich-rechtliche Finanzierung der meisten Angebote für Minderjährige. Es gibt ja auch gute Sendungen, die in kleinem Rahmen auch für Kinder entwickelt werden sollten, dazu aber unten mehr.

Eine Anmerkung noch: Frankreich hat nicht ohne Grund vor ein paar Jahren (2008) die Entwicklung von Fernsehprogrammen für unter 3 Jahren grundsätzlich verboten (vergleiche www.rollenspielsucht.de oder www.focus.de). Seither wurde die Altersempfehlung auf KiKa entsprechend grundsätzlich auf 3 Jahre hochgesetzt. Fernsehen ist also in keinem Fall harmlos.

 

Die öffentliche-rechtliche Finanzierung der Rundfunkanstalten hat ihre Ursache in dem Recht auf (unabhängige) Information, Kultur und die Möglichkeit auf Bildung. Die öffentliche-rechtliche Finanzierung der Rundfunkbeiträge dient dem Zweck, eine fortwährend hohe Qualität des Rundfunkprogramms zu bieten, frei von wirtschaftlichen Mechanismen/ Zwängen. Das öffentlich-rechtliche Programm sollte also überhaupt keine Steigerung des Konsums hervorrufen! Da Fernsehen als Medium an sich, also unabhängig von den Inhalten, zu körperlichen und seelischen/psychischen Schäden führen kann, wie Sucht, Übergewicht, Vernachlässig von sozialen Bindungen (auch die Betreuung der eigenen Kinder) müssten also das öffentlich-rechtliche Programm viel mehr so gestaltet sein, dass eine Senkung des Konsums und die Konzentration der Konsumenten auf wichtige und gute Inhalte erfolgt. Dies würde auch eine angemessene Senkung der Pflichtbeiträge insgesamt ermöglichen oder eine umfangreiche Erweiterung qualitativ hochwertigerer Angebote. Vergleiche der Kosten werden unten aufgeführt.

 

Im Zuge dieser Feststellungen folgt außerdem die Forderung nach einer gesetzlich geregelten Definition der Grundversorgung.

 

Eine Vorbemerkung noch zur Abgrenzung: Dieser Artikel ist nicht auf Grundlage einer anthroposophischen Weltsicht (Waldorf- und Rudolph-Steiner-Schulen, alternative Medizin, Impfkritiker, etc.) entstanden. Im Gegenteil: ich erachte diese Weltsicht als unangebracht. Das Gleiche gilt auch für alle anderen rechts-esoterischen Weltanschauungen.

 

In welcher Qualität und Quantität schadet Fernsehen Kindern?

 

Babys die auf die Welt kommen, können schon viel – mehr als die meisten denken. Babys können vieles aber auch nicht, was den meisten überhaupt nicht bewusst ist. Kinder müssen das, was sie wahrnehmen erst lernen zu interpretieren.

 

Ein Beispiel Sehen: Ein sehr bekannter Fakt ist, dass Babys nach der Geburt die erste Zeit die Dinge (optisch bedingt) auf dem Kopf sehen, da das Gehirn erst lernen muss, das Bild zu drehen. Außerdem muss das Baby lernen: Was ist eine Kante und begrenzt so einen Gegenstand? Wie dieser Gegenstand im Raum liegt, wird anhand der Schattenverläufe interpretiert. Das ist noch relativ einfach für das Gehirn. Schwieriger wird es, wenn man nicht feste Gegenstände, sondern leicht verformbare Dinge aus Papier, Stoff oder Flüssigkeiten hat. Babys lieben daher Geschenkpapiere, oft viel mehr als die Geschenke selbst oder können Ewigkeiten mit Wasser aus dem Wasserhahn spielen. (Vergleiche diese kognitive Leistung mit einem Roboter (50 x Aufnahmegeschwindigkeit) )

 

Kinder können zum Beispiel Sprachlaute von anderen Lauten unterscheiden, sie müssen aber erst später lernen die einzelnen Sprachlaute zu differenzieren und das bei verschiedenen Stimmenlagen und persönlichen Spracheigenheiten jedes Sprechers. Wer die Herausforderung dabei erkennen möchte, kann sich mit technischer Spracherkennung auseinander setzen. Hinzu kommt die Anwendung von Regeln zur Satzbildung/ den Sprachregeln im Allgemeinen (vergleiche hierzu die Qualität des Übersetzungs­programmes von einem Milliardenkonzern wie Google). Eine ganz andere Baustelle ist wiederum der (unbewusste) Erwerb der eigenen motorischen Fähigkeiten zur Sprachlauterzeugung. Außerdem müssen Kinder lernen Mimik und Gestik zu interpretieren und sich in andere hinein zu versetzen, eines der kompliziertesten Aufgaben, die erst am Ende der Pubertät vollständig ausreift und auch dann in unterschiedlichen Qualitäten beherrscht wird. All dies geschieht jedoch nur auf Grundlage vieler unterschiedlicher Reize und der aktiven Interaktion mit der Umwelt. Unser Gehirn arbeitet dafür mit Hilfe von mathematischen Filtern. (vergleiche Rösler,F., Psychophysiologie der Kognition - Eine Einführung in die Kognitive Neurowissenschaft, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011).

 

Was sind mathematische Filter und wie funktionieren diese in unserem Gehirn?

 

Neuron_Synapse.jpgIch möchte an dieser Stelle nicht genauer darauf eingehen wie Nervenzellen (hemmende und erregende) im Einzelnen funktionieren -wer das in der Schule nicht hatte/ vergessen hat, vergleiche hierzu das vielfältige Angebot im Internet. Sicherlich werde ich später dieses Thema tiefgründiger erklären. Natürlich ist diese Erklärung an vielen Stellen ungenau, jedoch hinreichend tiefgründig zum Verständnis der Zusammenhänge bezüglich der Themen Fernsehen, Sprache, Lernen und so weiter. Wir besitzen also sehr viele Neuronen, welche vereinfacht entweder im aktiven oder inaktiven Zustand sein können. Mit anderen Worten Neuronen können nur Strom leiten oder nicht leiten. Leiten sie einen Strom, fließt dieser immer nur in genau eine Richtung. Am Ende des Neurons angelangt trifft der Strom auf einen relativ hohen Widerstand durch die Membran der Nervenzelle. Dieser Widerstand ist abhängig von der Häufigkeit der Benutzung dieses Neurons. Wird eine dieser Verbindungslücken häufig benutzt, verringert sich der Widerstand, beziehungsweise die Leitfähigkeit erhöht sich. Am neuen Neuron angekommen kann, entsprechend der Höhe dieser Leitfähigkeit, stark oder weniger stark auf das nachfolgende Neuron eingewirkt werden, ob dieses also aktiv werden kann oder nicht. Ist die Verbindung also zu schwach zwischen diesen 2 Neuronen, ist es (im Prinzip) als ob kein Signal existiert hat. Das Signal wurde gefiltert. Da es nicht nur zwei Neuronen im Kopf gibt, kann es jedoch sein, dass viele Neuronen das eine (nachfolgende) Neuron gleichzeitig schwach anregen. So wird das Neuron doch ausreichend angeregt, um selbst aktiv zu werden und seinerseits ihm benachbarte, nachfolgende Neuronen zu beeinflussen. Nun steht jedes Neuron im Kopf für eine bestimmte Sache (zum Beispiel eine horizontale Kante, die eigene Mutti, Sinneszelle XY oder sonst etwas). Werden die Sehzellen also auf eine bestimmte Art und Weise (durch eine Querkante) angeregt, führt diese Form der Weiterleitung dazu, dass zum Schluss das Neuron „für eine querstehende Kante“ aktiv wird und sich daraus neue Erregungen herleiten. Fahren wir zum Beispiel gerade Fahrrad, ist auch der Teil „Fahrradfahren“ aktiv im Gehirn. Die Fahrradfahr-Neuronen zusammen mit dem Querbalken-Neuron regen dann das Neuron „Ausweichen“ gemeinsam an. Dieses wiederum sendet zur Fahrradfahrregion ein Signal, das gemeinsam die Aktion „Lenken“ in Gang setzt und unsere Muskelzellen ansteuert. So können wir lenken, ausbalancieren und ohne zu fallen weiter fahren. (Wer jetzt fragt, wo da das Bewusstsein ist – ja weiß der Teufel wo das ist ;) ).

 

Nun muss man sich also vorstellen, dass das Gehirn für sämtliche, wirklich sämtliche wiederkehrende Objekte, Gefühle, Eigenschaften und so weiter genau solche Filter einrichtet. Dafür braucht es viele –sehr viele Sinneseindrücke und es braucht auch die richtigen Sinneseindrücke. Da wir soziale Lebewesen sind (anders als gern in pseudowissenschaftlichen Tests und Studien behauptet) die gemeinsam besser überleben, als der Stärkste einzeln, ist der Mensch ein Lebewesen, welches besonders gut durch soziale Interaktion lernt. Zu sozialen Interaktionen gehörten bis vor Kurzem ausschließlich Hormone „Geruch“), visuelle Eindrücke, akustische, motorische Reize und so weiter –einzeln oder in Kombination. Schrift, Mobiltelefon und „soziale“ Netzwerke sind hingegen sehr junge Errungenschaften. Das sozial völlig vernachlässigte Kinder (auch Affen und andere Tier-Babys mit Brutpflege bei Vernachlässigung) sterben, deutet aus meiner Sicht auf einen Selektionsmechanismus von sozial nicht kooperationsfähigen Individuen hin, die der gesamten Gemeinschaft sonst schaden würden. Alltägliche REALE Beispiele sind aber wichtig. Fernsehen enthält Kindern aber viele Informationen vor und erzeugt künstliche Situationen mit künstlichen Abläufen und künstlichen „physikalischen Gesetzen“ (Schattenverläufe, Schallausbreitung,...). Auch ein Grund, warum so eine große Faszination vom Fernsehen ausgeht, denn es sind eben völlig „andere Gesetze“, als man sie sonst wahrnehmen kann. Und das Unregelmäßige beziehungsweise das Unbekannte ist spannend (weckt die Neugierde), weil es spannend sein muss für das Gehirn, denn es will ja genau das Neue lernen und nicht das Altbekannte. Nur so kann es sich auf möglichst viele spätere Situationen vorbereiten um richtig zu reagieren.

 

Sind die Beispiele falsch, bildet das Gehirn falsche Grundstrukturen für Sprache, Verhalten, Lösungsansätze und die Ansteuerung der Muskeln wird nicht ausreichend trainiert. Dies führt zu falscher Belastung und anschließend zusätzlicher Abnutzung des Bewegungsapparates, falsche Körperhaltung, falscher Atmung und so weiter. (Motorik, räumliche Vorstellung)

 

Wie wichtig reale Beziehungen für die Gesundheit sind, wird aus dem Artikel zum Thema Depression verständlich.

 

Welche Konsequenzen hat es, wenn also zum Beispiel eine Katze in einer komplett senkrecht gestreiften Umgebung aufwächst (an Menschen wurde das nicht getestet, man weiß aber, dass die Resultate die gleichen wären)? Die Katze wird ihr Leben lang keine horizontale Hindernisse erkennen, da sie kein Neuron und kein Netzwerk besitzt, welche für die Kategorie „quer“ zuständig ist und die Strukturen in ihrem Gehirn nicht mehr flexibel genug sind, diese Kategorie zu erstellen. Umgekehrt trifft dies auch auf Katzen zu, die in ausschließlich quergestreifter Umgebung aufwachsen. Bei der Interpretation von Situationen und komplexeren Geschehnissen ist natürlich das Erlernen komplexer und vielfältiger, jedoch das Prinzip das Gleiche. (Um zu verstehen, auf was ich mich beziehe, kann man das kurze Video ansehen über Deep-learning, diese Art des Lernens verwenden wir für z.B. den Mutterspracherwerb und eine Abbildung der Physik in unserer Welt, wie Schatten, Falleigenschaften etc.). Deshalb gibt es zum Beispiel kritische Phasen bis wann ein Kind (im Übrigen auch die Menschenaffen) mit einer Sprache (im weiteren Sinne, also auch Zeichensprache) ausreichend in Kontakt gekommen sein müssen, damit sie noch dazu fähig sind überhaupt eine Sprache zu erlernen.

 

krummer_baum.jpgAls Erwachsener besitzt man bereits (wenn alles richtig lief) die richtigen notwendigen Grundstrukturen (Vorstellungsvermögen, Sprache, Koordination und so weiter) und weil man langsamer lernt als Kinder und erweiterte Erfahrungen hat, schadet Fernsehen nicht im gleichen Maß. Man kann sich das wie einen Baum vorstellen – der Stamm und die größten Äste sitzen alle gut, sodass der Baum stabil steht – spätere Veränderungen werden eher bei den kleinen Zweigen vorgenommen. Kommt ein bisschen Wind, bricht vielleicht der eine oder andere Zweig ab, aber der Baum steht immer noch schön gerade und stabil. Es bedarf schon eines richtigen Sturms (zum Beispiel ein Schlaganfall) oder permanent Wind aus einer Richtung (viel zu viel Fernsehen) um grundlegende (ungesunde) Veränderungen vorzunehmen. Sind aber die Bedingungen für den Baum (das Kind) von Anfang an ungünstig, wird der ganze Baum krüppelig und instabil. Die Mammutbäume in den Urwäldern, konnten nur so groß werden, weil sie gerade nach oben gewachsen sind. Das heißt, ein Kind kann nur sein volles Potential (Intelligenz) erreichen, wenn das Fundament stabil ist. Dies lässt sich auch später nicht mehr wirklich verbessern. Das Nervennetzwerk verhält sich da wie ein Baum, welcher ab einen bestimmten Alter langsamer wächst und dessen Stamm, mit allen Verzweigungen, soll ja nicht abgesägt werden. Das heißt, wenn ein Kind seine Muttersprache gelernt hat, soll es sie ja nicht wieder verlernen – hier ist wieder der Schlaganfall ein gutes Beispiel, was die Folge wäre. Wie wichtig das am Beispiel der Sprache ist, wird sicherlich beim Lesen des letzten Artikels deutlich (siehe unten).

 

Wenn man also daraus schließend die Frage, ob es Körperverletzung und oder Misshandlung ist, wenn man ein Kind in einem ausschließlich quergestreiften Raum aufwachsen lässt mit „JA“ beantwortet, muss man einsehen, dass Fernsehen durchaus nicht harmlos ist. Denn es verändert molekular nachhaltig und zum Teil irreversibel den Körper des Kindes und schränkt es in seinen Entwicklungsmöglichkeiten lebenslang ein. Man darf entsprechend kein Kind dazu verleiten zu viel Fernsehen zu konsumieren (erst recht nicht öffentlich finanziert).

 

Wie man leicht daraus erkennt, sind die Inhalte des Fernsehens also durchaus sehr stark zu selektieren für Minderjährige und jemand der sich von Berufs wegen damit beschäftigt, weiß sehr wohl, dass es ungeeignete Inhalte gibt. Wenn er also auch noch damit wirbt, man halte hohe Qualitätsstandards ein und würde unbedenkliches Programm senden (vergleiche www.kika.de), dann ist das arglistige Täuschung und vorsätzliche Körperverletzung von Schutzbefohlenen und nicht einmal „nur“ fahrlässig.

 

Neben der hier beschrieben Art zu Lernen, nämlich für ein implizites Gedächtnis, gibt es natürlich noch weitere Formen, wie das explizite Gedächtnis, was auch das Lernen durch Erkenntnis beinhaltet. Das sind also logische Schlussfolgergungen, Fakten, etc.. Genauer gesagt, ist es das explizites Gedächtnis, wenn man weiß, dass fallende Gegenstände mit 9,81 m/s² beschleunigt werden, implizites Wissen ist, wenn man es intuitiv richtig auffangen kann (wobei dazu noch UNterscheidungen vorgenommen werden prozedurales Gedächtnis und so weiter). Und lernen durch Erkenntnis ist, wenn man eine Formel zur Berechnung herleiten kann. Das häufig zitierte Bauchgefühl ist auch eine Form des impliziten Gedächtnisses und auch unsere Motivation / unsere Lust Dinge zu tun, beziehungsweise die Angst vor Dingen und diese daraufhin sein zu lassen, beruhen auf dem impliziten Gedächtnis, da auch die Bewertung von Situationen darüber gespeichert werden. Fernsehen kann nun neben den impliziten Inhalten zu Arbeitsalltag, Familienleben, Problemlösungen, "Physik" und Co natürlich auch explizites Wissen vermitteln zum Aufbau des Universums, von Atomen oder Fertigungsprozessen und so weiter. Deshalb gibt es irgendwo ein Optimum für Inhalt, Dauer et cetera von Fernsehsendungen.

 

Aber ist es qualitativ hochwertig:

 

  • wenn Wissenschaftler ständig als verschrobene, verrückte unverständliche Kauze dargestellt werden?
  • oder die Teletubbies überhaupt in Betracht zu ziehen?
  • sich für Telenovelas nicht in Grund und Boden zu schämen?
  • im Nachmittagsprogramm direkt nach dem Unterricht, völlig falsche Berufsvorstellungen und Werte zu vermitteln?
  • Warum bitte vermitteln öffentlich rechtliche Sender überhaupt aktuelle Modetrends??? – So etwas ist Werbung.(zu "bewundern" zum Beispiel bei Sendungen wie "Du bist Style - Schminktipps für Jungs")
  • Und wenn man so etwas wie das KiKa-Kaninchen einführt, um dann entsprechende Produkte an das Kind zu bringen, dann sehe ich darin Schleichwerbung, die zu nichts weiter dient als privatwirtschaftlichem Gewinn: Es werden damit keine gemeinnützigen Zweck oder sonst etwas finanziert, sondern lediglich die Umsätze gesteigert, da private Unternehmen zur Produktion der Sendungen beauftragt werden. Diese behalten dann auch noch die Rechte daran in so fern, dass man es nicht allgemein für nicht kommerzielle Zwecke kostenlos nutzen kann, obwohl sie mit öffentlichen Geldern produziert wurden.

 

 


 

Kinder beim Fernsehen der Augsburger Puppenkiste. (ohne Ton) 
oder vgl. https://vimeo.com/93350831

Faszination Fernsehen

 

Bewegungen erzeugen eine höhere Aufmerksamkeit als eine starre Umgebung. Licht und bunte Farben sind ebenso ein Aufmerksamkeitsfänger. Wer dazu eine Begründung wünscht, kann sich gern in den Kommentaren dazu äußern, jedoch denke ich, dass dies allgemein bekannt ist. Fernsehen, und im Übrigen auch Videospiele, verfügen über diese aufmerksamkeitssteigernden Eigenschaften und üben schon allein deshalb eine unglaubliche Faszination aus. Da soziale Interaktion lebenswichtig für den Menschen ist, sind soziale, emotionsgeladene Interaktionen unglaublich spannend. Entsprechende Inhalte im Fernsehen steigern also noch einmal die Fähigkeit die Aufmerksamkeit des Konsumenten zu lenken. Der Vergleich zu Büchern hinkt entsprechend ettwas. Beim Lernen ist Dopamin im Spiel. Sämtliche dieser Faktoren sorgen ebenfalls für Dopaminausschüttung im Gehirn. Für Süchte sind falsch gebildete Neuronenstrukturen auf Grundlage von Dopaminausschüttung die Ursache. Deshalb kann Fernsehen zur Sucht werden. Da Kinder schneller lernen, ist es bei ihnen besonders nachhaltig und besonders schädlich. Wenn man dann noch so genannte Cliffhanger einführt um die Spannung zu steigern, dann ist das in meinen Augen besonders bei Kindern kein Kavaliersdelikt. Bedenkt man zusätzlich die Bedeutung von Bildschirmen für den späteren Beruf, ist eine Abhängigkeit im Kindesalter unbedingt zu vermeiden, denn man entkommt Bildschirmmedien nicht, anders als zum Beispiel einer Spielsucht. 

 

Warum stört Fernsehen die Konzentration

 

Aus den gleichen Gründen warum es die Aufmerksamkeit steigert. Kinder gewöhnen sich an die ständige Dopaminausschüttung, welche ohne Aufwand erzeugt werden kann. Für viele Dinge braucht man aber ein bisschen Überwindung, Mühe und Zeit, ehe man sie beherrscht oder sie gelingen. Eine Abschluss-, Forschungs- oder Bastelarbeit und vieles andere ist nicht in 5 Minuten erledigt und vor allem funktioniert nicht immer alles sofort. Es gibt Versuche mit Kindern zur Impulskontrolle, welche häufig zitiert werden. Dabei geht es um den späteren beruflichen Erfolg im Leben in Abhängigkeit von der persönlichen Impulskontrolle. (vergleiche http://lexikon.stangl.eu/3697/marshmallow-test/ bzw. https://www.youtube.com/watch?v=gdQ1S8Djgxk)

 

Es gibt viele weitere neurobiologische Mechanismen, warum Fernsehen schlecht ist. Aber hier wird sonst der Text zu lang und die aufgeführten Aspekte finde ich für meine Argumentation an dieser Stelle hinreichend überzeugend. Es gibt also geeignete Inhalte und ungeeignete Inhalte und es gibt zu viel fernsehen. Und es gibt Konsumverhalten, welches nicht schadet. Beispiel: das Sonnensystem, Atome, Verhalten von Bonobos, Tiefseewesen und Co lassen sich viel einfacher darstellen mit einem kurzen Clip, als mit reiner verbaler Erklärung oder starren Bildern, die optimaler Weise von nahe stehenden Personen ergänzt werden. Ab und an ein gut umgesetztes Märchen, sowas wie die alten Sendungen mit der Maus, alten Löwnzahnsendungen, Pittiplatsch, Kleiner König, etc. kann man durchaus vertreten.

 

Die Definition von Kultur und künstlerische Freiheit

 

Häufig höre ich das Argument – ja Kultur (und daher zum Beispiel Angebote wie der Musikanten Stadl) ist eben auch Aufgabe der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten. Kultur ist alles vom Menschen veranstaltete – Krieg, Gewalt, der Klo-Gang oder auch bestimmte der menschlichen Fortpflanzung entlehnte Dienstleistungen und die Darstellung dieser. Letzteres erfreut sich hoher Beliebtheit und es gibt daher im Internet massenhafte Filme mit zweifelhaftem Inhalt. Deswegen müssen diese nicht von den öffentlichen Rundfunkanstalten produziert/gekauft und präsentiert werden. Denn es gibt Kulturbestandteile die unserer Gesellschaft dienen und es gibt welche, die man eher vermeiden sollte oder wenigstens nicht fördern. Und da möchte ich das, was als Heimatlieder betitelt wird nicht verbieten und damit die „künstlerische“ und persönliche Freiheit einschränken, denn die dürfen das gerne tun – nur nicht öffentlich finanziert. Was im kulturellen Bereich öffentlich finanziert werden sollte sind unter anderem anspruchsvolle Kinder- und Volkslieder, welche sich privat nicht tragen würden, unserer Gesellschaft aber einen hohen Nutzen einbringen. Beispiel: wer als Kind und später viel singt (mit anspruchsvollen Texten), der erlernt nach einem Schlaganfall aufgrund der Verknüpfungen von verschiedenen Hirnregionen wesentlich einfacher und schneller seine Sprachfähigkeit zurück (an die Singmuffel-Väter – es hört euch keiner im Kinderzimmer beim "Schlafliedervorbrummen" :) )

 

Oder andere Angebote, welche nicht für ein passives Zuschauerverhalten sorgt sondern ein aktives – und das sollte man ja mit Testpersonen im Magnetresonanztopografen im Gehirn nachweisen können, falls jemanden die Unterteilung schwer fällt. Außerdem sollte es eine gesunde Lebensweise  (zum Beispiel nicht suchtfördernd, aber Förderung von Bewegung, liebvoller Erziehung, Stressabbau) unterstützen und auch dafür gibt es wissenschaftliche Methoden, um das einigermaßen eindeutig abgrenzen zu können.

 

Zur Erinnerung an dieser Stelle

digitales_Zeitalter.jpg

 

Weiter oben hatte ich ja bereits ausgeführt, dass der öffentlich rechtliche Rundfunk keinerlei wirtschaftlicher Interessen zu verfolgen hat, sondern dazu da ist, unabhängig und qualitativ hochwertig zu produzieren, weshalb eine öffentliche Finanzierung gewährt wird. Ich hatte außerdem ausgeführt, dass man Kindern nicht schaden darf, selbst wenn dessen Eltern unfähig sind und man sie sogar aktiv beschützen muss. Der öffentlich rechtliche Rundfunk wird von allen finanziert (ja von allen, die Einkaufen gehen und damit schließlich auch die Mehrwertsteuer zahlen, die für die Finanzierung von Schulen und Ämter verwendet werden und auch die Rundfunkgebühren der Filialen, damit ist es nicht nur eine Haushaltsabgabe). Die öffentlichen Rundfunkanstalten haben damit neben Information, Bildung und Kultur den Auftrag nicht zu schaden. Im Gegenteil sie sollen sogar zusätzlich Schaden abwenden (das heißt möglichst zu bewirken, dass weniger Fernsehen gesehen wird – also auch weniger Privatfernsehen).

 

Direkte Kosten, die der Gesellschaft entstehen

 

Außerdem haben die öffentlichen Sender mehr als genug finanzielle Mittel. Zum Vergleich:

 

  • Die deutschen Hochschulen erhalten jährlich für die Bildung etwa 25 Milliarden € (Spiegel 12.12.2012) und da sind Professoren nicht unterbezahlt (allerdings können sich die wenigsten Schlösser leisten, im Gegensatz zu bestimmten Moderatoren).
  • Der jährliche Bedarf für Harz 4 ist inklusive der Verwaltungskosten (Lohnkosten der Angestellte, Räume, Heizung,...) gerade einmal etwa 4 mal (nach aktuellen Angaben, wobei ich auch schon Zahlen gefunden habe, dass die Einnahmen bei 11,5 Milliarden € jährlich liegen und laut der Zeit vom 17.01.2013 alleine die ARD 7,3 Milliarden € bekommt, offizielle Angaben belaufen sich auf reichlich 8 Milliarden € Gesamteinnahmen*  - fairer Weise: es dürfen diese zur Zeit noch nicht alle ausgegeben werden) so teuer und da bekommen bei Harz4 mehrere Millionen Menschen Wohnungen, Essen und Co bezahlt
  • Regisseure von Dokumentationen bekommen gerade einmal einen Stundensatz von 22 € (Die Bezahlung der Praktikanten möchte ich hier gar nicht erwähnen)
  • Alleine sämtliche Schulen in Deutschland bezahlen jährlich etwa 7 Millionen € Rundfunkgebühren. Das entspricht in etwa den Kosten, die man (also öffentlich die Rundfunkanstalt selbst) schätzt, was eine vernünftige Inklusion von lernschwachen Kindern in reguläre Schulen insgesamt zusätzlich kosten würde. Ganz unabhängig, ob ich es für sinnvoll erachte Inklusion von geistig weniger leistungsfähigen Kindern nicht im Nachmittagsbereich, sondern im Sachunterrichtsbereich durchzuführen.
  • und so weiter und so weiter

 

Insgesamt ist es außerdem fragwürdig, warum Universitäten, Schulen, Kitas, Ämter, Betriebe und so weiter überhaupt zahlen müssen – vor allem in bei der derzeitigen Qualität. Ich meine, wenn Betriebe für ein zusätzliches Bildungsangebot sich beteiligen, wäre das ja begründbar, aber KiKa und das Nachmittagsprogramm insgesamt ist ja leider eher ein gewichtiger Grund dafür, dass die Firmen sich immer häufiger über das Bildungsniveau vieler Absolventen beschweren.

Und ich weigere mich durch Finanzierung dieses Angebots mich mit strafbar zu machen – denn die Finanzierung von Körperverletzung ist Beihilfe und Beihilfe zu Straftaten ist strafbar; zusätzlich zu den moralischen Aspekten der Unterstützung solcher Programme. Und Wissen und Bildung ist der Grundstock für eine humanitäre Gesellschaft, im Sinne der Aufklärung. Wenn man bedenkt, dass ein Kind entweder mit 5 Jahren einen Flechtkörper (Tetraeder) ausschneiden und ordentlich zusammenbauen kann oder eben die Motorik in der 5. Klasse (Gymnasium) nicht besitzt (90 % dieser Klasse, auf die ich dies beziehe) und das Prinzip nicht versteht, dann möchte ich den gesellschaftlichen Schaden nicht ausbauen - ich meine man denke da alleine an Zahnärzte und Chirurgen.

 

* laut dem Geschäftsbericht des Beitragsservice 2014 verfügt dieser über 44,8 Millionen Teilnehmer, welche ganz oder teilweise zahlen;

Laut statistischen Bundesamt gab es 2014 "in Deutschland 40,2 Millionen Haushalte"

Laut dem Beitragsservice gab es etwa 3,5 Millionen Betriebsstätten, davon 657.000 Betriebsstätten ohne Berechnung.

Laut statistischen Bundesamt aber schon 3,3 Millionen Gewerbesteuerpflichtige (welche allerdings nicht alle zahlen müssen vergleiche Seite des Beitragsservice)

Ämter, Schulen, Kitas Hochschulen, Praxen, Firmenfahrzeuge (letztere beim Beitragsservice angegeben mit 4,25 Millionen) und so weiter zahlen müssen, finde ich die Zahlen  fraglich, wonach "nur" 8,5 Milliarden € eingenommen werden:

Laut Beitragsservice fallen durchschnittlich 17,98€ (2014) pro Betriebsstätte an. Das bedeutet, dass ich schon allein bei den voll zahlenden Haushalten und Betriebsstätten (38.864.894) mit 17,98€ pro Monat (2014) auf rund 8,34 Milliarden € für 2014 komme - da sind die in den öffentlichen Angaben aufgeführten Gästezimmer, Firmenfahrzeuge, Ermäßigten und so weiter gar nicht enthalten. 

 

Johann-Ridinger, M., Neurowissenschaftliche Basis der Sucht, Hogrefe, Bern 2014 

Roth, G., Warum sind Lehren und Lernen so schwierig?, Zeitschrift für Pädagogik, 2004

Rösler,F., Psychophysiologie der Kognition - Eine Einführung in die Kognitive Neurowissenschaft, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011

---anja---

18.07.2015

 

Sprache und der Einfluss auf unsere Wahrnehmung

 

"Sprache ist ein Verkehrsmittel; so wie die Eisenbahn die Güter von Leipzig nach Dresden fährt, so transportiert die Sprache die Gedanken von einem Kopf zum anderen." (Wilhelm Oswald)

"Die Sprache ist der Leib des Denkens." (Georg Wilhelm Friedrich Hegel)

 

Sprache soll an dieser Stelle nicht nur in der akustischen Form sondern auch, analog einer Zeichensprache, als strukturell ähnliches Kommunikationsmittel verstanden werden.

 

Sprache - Besonderheit des Menschen?

 

killer-whales-591130_640.jpgEines vorweg – Nein, Sprache ist nichts, was nur der Mensch besitzt, auch einige Tierarten besitzen etwas Analoges zu der menschlichen Sprache und Bonobos können sich menschliche Sprachmuster zu eigen machen. Nicht die Sprachlaute an sich, das gibt die Anatomie von Bonobos nicht her, jedoch das Verstehen und das eigenständige Benutzen einer Bildsprache (mit Lexigrammen), mit einfachen Grammatikstrukturen. Wale und Delphine weisen jedem ihrer Gruppenmitglieder unterschiedliche Namen zu und haben zwischen unterschiedlichen Gruppen Dialekte. Diese besitzen zum Teil so große kulturelle Unterschiede, dass die Mitglieder unterschiedlicher Gruppen sich aktiv aus dem Weg gehen oder sich gut verstehen und begrüßen. Raben können Aussprüche von Menschen sinnhaltig imitieren. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass die tierische Kommunikation insgesamt viel ähnlicher den Mustern der menschlichen Sprache folgt, als vielen Menschen lieb ist (vergleiche hierzu: ↗scimondo.de). Was das für Tiergruppen in Zoos oder für Auswilderungsprogramme bedeutet, insbesondere bei Handaufzuchten, ist wiederum an betreffenden Stellen zu diskutieren. 

 

Bedeutung von Sprache 

 

Das Video zeigt zum einen eindrucksvoll, dass selbst Kinder

mit Lernproblemen bereits frühzeitig zum leichteren Erwerb der

Muttersprache lesen lernen können, zum anderen, dass Sprache
die Entwicklung (Lernfähigkeit, Verständnis, abstraktes Denken,
Aufmerksamkeit, … ) entscheidend fördert und schließlich auch,
dass individuelle und gezielte Förderung in allen Fällen sehr viel
bewirken kann und das Leben schöner und selbstbestimmter macht.
Zeigt aber auch einen Grund auf warum ich Inklusion von
lernbehinderten Kindern in der derzeit diskutierten Weise ablehne. 
– im Nachmittagsbereich sehr gern und auch in Projekten
wie Hausaufgabenpatenschaften oder Projektwochen, aber
im Unterricht ist es besser getrennte Gruppen zu haben. Zumal
auch so Kontakte zu gleichaltrigen aufgebaut werden können
und nicht ständig das Gefühl vermittelt wird, alle anderen sind
besser.  Dazu wird es aber einen eigenen Artikel geben, da es
noch mehr Gründer gibt, gegen das derzeitig anvisierte Inklusions-.
konzept–Wie gesagt nicht grundsätzlich, aber anders.


Sprache formt unseren Geist, das ist spätestens bekannt, seit man weiß, dass es für das Erlernen der ersten Sprache ein zeitkritisches Fenster gibt, nach welchem es fast unmöglich wird überhaupt eine Sprache zu erlernen. Außerdem muss man sich vorstellen, wie man sich ohne die Existenz einer Sprache über abstrakte Begriffe wie Bewusstsein, Variable oder Integrale nachdenken und sich austauschen sollte. Das heißt Sprache formt unser Denken – egal in welcher Form.

Bei der Arbeit mit geistig stark beeinträchtigten Kindern konnten Forscher außerdem beobachten, dass die Kinder, welche mittels aufwendiger Methoden rudimentäre Formen der sprachlichen Kommunikation (über aufleuchtende Symbolik) sich in ihrem Wesen veränderten und deutliche Anzeichen von mehr Zufriedenheit, beziehungsweise auch weniger Wutausbrüchen, zeigten. Außerdem folgte der Möglichkeit der Kommunikation und des Verständnisses von Sprache, dass neben der Steigerung anderer intellektueller Fähigkeiten bei diesen Kindern, sowohl die Aufmerksamkeit (Dinge zu bemerken) als auch die Konzentration zunahmen. Im Übrigen konnten bei Menschenaffen die gleichen Beobachtungen festgestellt werden, die mit Bildsprachen zu kommunizieren gelernt hatten (vergleiche "Kanzi - der sprechende Schimpanse")

Einmal eine Sprache ausdifferenziert gelernt ermöglicht sie andere „Wege“ des Lernens – nämlich nicht nur den intuitiven Weg durch ausprobieren, sondern den auf Grundlage von Erklärungen. Ein Vorgang der die Geschwindigkeit beim Lernen maßgeblich erhöht und damit in meinen Augen die Herangehensweise vieler immer beliebter werdender Pädagogikmodelle (so genannte Reformpädagogik) in Frage stellt. Kinder sollen und müssen eigenständig arbeiten und das Lernen lernen. Aber unsere Kultur beruht auf Kommunikation, deshalb sollte auch Wissen kommuniziert und aktiv weitergegeben werden. Gerade zu Beginn einer Schullaufbahn sollte daher Frontalunterricht nicht vernachlässigt werden, auch wenn man ihn mit freien Methoden kombinieren kann. Das Finnland lange Zeit auf den vorderen Plätzen bei Pisa lag, hat seine Ursache in viel Frontalunterricht, der mittlerweile auch dort sehr stark reduziert wurde. Aber gerade bei großen Klassen kann so am ehesten jedem Kind die erforderliche Herangehensweise vorgelebt und gleichzeitig darauf geachtet werden, dass alle Kinder aufmerksam bei der Sache sind. 

Lange war die These, das Muttersprache unsere Denkweise nachhaltig prägt, sehr umstritten und zwischenzeitlich galt sie als überholt, da sie mehr als 150 Jahre lang nicht bewiesen werden konnte. Mittlerweile gilt sie als belegt.

 

Beispiele zur Bedeutung der Sprachvielfalt:

 

Schuldwahrnehmung

Einer der ersten Hinweise, dass Sprache unsere Wahrnehmung prägt war eine Beobachtung, dass Amerikaner im Gegensatz zu Japaner den Verursacher eines Missgeschickes mit größerer Verlässlichkeit bestimmen können, sofern es sich um ein Versehen handelt. Amerikaner legen bei der Beschreibung eines Vorganges immer sehr stark den Fokus auf die Benennung des Verursachers. Japaner beachten den Verursacher nur, wenn etwas absichtlich zerstört wurde. Handelt es sich hingegen um ein Versehen, beschreiben Japaner das Missgeschick eher passiv als „es ist zergangen“, statt „Peter hat es heruntergeworfen“.

Doppelte Verneinung

Die Analogie zwischen Verneinung und mathematischen Vorzeichenregeln: Im Russischen ist es üblich, dass verneinende Aussagen in etwa nach dem Schema „Niemand nicht hat …“ formuliert sind. Im Gegensatz zur Deutschen Sprache, wo es sinngemäß nur mit „Niemand hat …“ ausgedrückt würde und eine doppelte Verneinung sogar den Umkehrschluss bei wörtlicher Übersetzung der Aussage erfordert.

Zahlen

In Südamerika gibt es eine Sprache (Pirahã) ohne Zahlwörter, wo auch Erwachsenen Rechnen und Zählen nicht, beziehungsweise nur eingeschränkt, erlernen können. Gleichzeitig gibt es in dieser Sprache keine konkreten Farbbezeichnungen sondern es werden Vergleiche gezogen, so dass das Dunkel der Nacht umschrieben wird mit „der Urwald/die Umgebung ist kackig“, eine sehr interessante Sichtweise der Dinge ;).

Besitzt eine Sprache für verschiedene Farbnuancen ein gesondertes Wort, so ist die Geschwindigkeit, diese Farbtöne zu unterscheiden messbar größer. Wieder ein Beispiel aus der russischen Sprache, welche ein Wort für hellblau und eines für dunkelblau besitzt. Erklärt man Versuchspersonen die Unterschiede der Einteilung, können aber auch diese relativ schnell erlernen ebenfalls schneller eine Unterscheidung zu treffen.

Beschreibungstiefe

Ein heraus stechendes Merkmal der deutschen Sprache sind die Substantivwortzusammensetzungen (Ja, genau diese Wortschlangen) zur genauen Spezifizierung, was eine sehr genaue Beschreibung/ Abgrenzung ermöglicht. Allerdings gibt es darin auch lustige Regeln, die für einen Nichtmuttersprachler eher schwierig sind: Warum betrifft Hautschutz unsere Haut, Mückenschutz aber eher selten den Schutz der Mücken? Warum könnte man sagen Hautmückenschutz und meinte damit die menschliche Haut und warum verteilt niemand Mückenhautschutz auf der Haut? Und auch eine so genannte Satzklammer ist vor allem in der formalen deutschen Sprache für Ausländer eher ein Graus. Wieder eine Möglichkeit etwas sehr konkret und genau zu beschreiben, aber auch sehr kompliziert zu formulieren.

Nebenbei erkennt man bereits an der Länge und Verschachtelung, wer einen englischen Text verfasst hat. Sind beide Merkmale besonders stark ausgeprägt, kann es nur ein deutscher oder italienischer Muttersprachler gewesen sein ;).

Was ich unterhaltsam finde ist, wenn kleine Kinder beim Spracherwerb etwas „Bitte mit ohne“ haben möchten. Daran erkennt man Ausnahmen grammatikalischer Regeln, die einem sonst gar nicht bewusst werden.

scrabble-62837_640.jpgVielfalt der Sprachelemente

In einer der vielen Afrikanischen Sprachen gibt es über 200 Worte für die verschiedenen Arten des Gehens von "hüpfend" über "trampelnd" bis hin zu "wie eine Gazelle".

Das Japanische kennt keine Zeitformen im offensichtlichen Gegensatz zum Englischen, wo jede mögliche Form der Zeit genau definiert wird und das bei jeder Aussage. Konkret bedeutet dies, dass bei Untersuchungen zwischen Menschen verschiedener Sprachen, welche die Zukunft regelmäßig mit einer gesonderten Zeitform ausdrücken, die Zukunft weiter weg erscheint für diese Menschen, als bei Sprachen, wie dem Deutschen, wo im Alltag durch eingefügte Wörter wie „morgen“ ein Zukunftskontext hergestellt werden kann. Beispiel: Ich gehe morgen baden. Im Gegensatz zu: Ich werde morgen baden gehen. (Die deutsche Sprache kennt zwar eine grammatikalische Zukunftsform, jedoch wird sie im Alltag nicht so oft verwendet). Man nimmt an, dass daher deutsche Muttersprachler im Durchschnitt unter anderem eher sparen und weniger rauchen, weil die Zukunft näher liegt. – Das sind natürlich keine ausschließlichen Kriterien und es gibt in diesem Zusammenhang für den einzelnen wesentlich stärkere Einflussfaktoren, allerdings sind eben über die Gesamtheit der Muttersprachler leichte Tendenzen zu beobachten.

Sprache und die Vorstellung beziehungsweise Wahrnehmung von Zeit und Raum

Sprache und Schrift (Leserichtung) beeinflussen unsere Vorstellung von Zeit bzw. Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit. Dazu gibt es verschiedene wissenschaftlich Beobachtungen: Fordert man Europäer dazu auf Zeitfolgen bestimmte Bilder nach ihrer Vorstellung zu sortieren, dann legen diese die Karten von links (Zeitpunkt Null) nach rechts (jüngstes Ereignis). Menschen der arabischen Welt und hebräische Muttersprachler legen die Karten umgekehrt. Und die interessanteste Methode haben die Aborigines, welche die Karten immer von Ost nach West legen, egal wie sie selbst sitzen. Aborigines kennen in ihrer Sprache keine relativen Ortsangaben wie rechts und links, sondern beschreiben jede Position von Gegenständen zueinander mit Himmelsrichtungen. Was unter anderem dazu führt, dass sie zu fast jedem Zeitpunkt, auch in völlig fremden Gegenden oder Gebäuden sagen können, wo Norden ist und hervorragend zurechtfinden.

Ein weiteres Beispiel ist das leichte Beugen des Oberkörpers nach vorn, wenn von Zukunft die Rede (oder der Gedanke) ist und umgekehrt nach hinten, wenn die Vergangenheit behandelt wird. Jedoch trifft diese Beobachtung nur zum Beispiel auf Engländer zu. Aymara unterscheidet nur zwischen Gegenwart und nicht Gegenwart, daher neigen Muttersprachler ihren Oberkörper genau anders herum. So als ob die Vergangenheit der sichtbare/ bekannte Teil ihres Lebens ist und die Zukunft verdeckt beziehungsweise unbekannt hinter ihnen liegt.

 

konkrete Schlussfolgerungen aus der Sprachvielfalt

 

monkeys-148893_640.pngWas heißt das nun? Sicherlich ist das erlernen von 1 oder 2 Fremdsprachen nicht falsch und sicherlich erleichtert eine 2. Muttersprache auch das Leben und sicherlich sollte man sich gemeinsam in der Welt auf eine gemeinsame Fremdsprache als gemeinsames Mittel der Verständigung fokussieren und sicherlich schützen Fremdsprachen auch vor den Symptomen einer Demenz oder helfen nach einem Schlaganfall wieder schneller sprechen zu erlernen. Aber gerade im Fall von Demenz hilft jede Form der geistigen Aktivität von Schachspielen über komplexe MINT-Sachverhalte zu lösen oder zu diskutieren. 

Aber sollte es erstrebenswert sein, so viele Sprachen wie möglich zu lernen? Macht es intelligenter? Sind halbe Völkerwanderungen kreuz und quer über den Planten und damit das Verschwinden vieler Sprachen gut für den Fortschritt? Leider sind die Antworten bei diesen Fragen immer sehr merkwürdig. Klar es ist nicht schön, wenn man überall die gleiche Kultur hat, aber das als Argument gegen wirtschaftliche Interessen vorzubringen ist eben einfach nicht ausreichend und verhallt ungehört. Spracharmut schränkt aber unsere Weltsicht ein. Wie meine ich das? Zum Beispiel ist es so, dass man viele Erkrankungen (Krebs, Autoimmunerkrankungen, …) an vielen kleinen und unauffälligen Veränderungen des Körpers erkennt von der Hautfarbe, über Gesichtszüge bis hin zu der Art des Gehens. Wenn ich also jetzt einen Menschen habe, dessen Muttersprache schon darauf ausgelegt ist jede erdenkliche Form des Ganges mit einem eigenen Wort sehr fein zu differenzieren, dann hat dieser Mensch einen geschulten Blick für Veränderungen und Auffälligkeiten in der Gangart, eine sehr interessante Möglichkeit für die recht einfache und schnelle Diagnostik von Erkrankungen. Wenn man, wie die Italiener und Deutschen gern für jeden Sachverhalt komplizierte Satzkonstruktionen zur eineindeutigen Beschreibung  verwendet, ist das ein super Weltbild für ingenieurtechnische Fragen. Wenn ich von Zeit ein anderes Verständnis als ein geordnetes habe kann man zum Beispiel die Aussage der Relativitätstheorie ganz anders interpretieren oder verstehen und dadurch andere Schlussfolgerungen ziehen. Sicherlich lassen sich dafür noch viele andere Beispiele finden.

Uns gehen also ganz konkrete Sichtweisen verloren, die uns helfen könnten, Probleme zu lösen. (Das gleiche gilt im Übrigen für Artenvielfalt: Konzerne dürften weitaus interessierter sein den Regenwald und Co zu schützen, mit der Begründung, dass dort Unmengen an Innovationskonzepten zu finden sind, als dass es doch so schön und wichtig ist das zu schützen . Ich sehe das ja nicht anders, nur emotional können Menschen unangenehme Gedanken einfach aus ihrer Wahrnehmung verdrängen und leugnen, wenn diese aktuellen Vorzügen im Weg stehen. Daher ist eine auf das Weltbild des Gegenübers abgestimmte Diskussion wesentlich zielführender.) Ist es gut so viel wie möglich Sprachen zu lernen, am besten von klein auf? Ich denke nicht, sicherlich finde ich eine Fast-Zweisprachigkeit durch Au-pair-ähnliche Betreuungshilfen in den KITAs eine super Idee und auch die Erklärung der Eingeschränktheit der eigenen Sprache gehört meiner Ansicht nach in die Schule zusammen mit vielleicht einer 2. Fremdsprache, jedoch finde ich, dass es darüber hinaus nicht gut ist, wenn jeder die Eigenart seiner Sprache verliert und damit die Denkweisen einander immer mehr angeglichen werden. Das Gleiche gilt für die von Wirtschaft und Gesellschaft so hochgelobte Flexibilität. Man nimmt dadurch nicht nur Kindern die Großeltern. Man sorgt auch dafür, dass Familien zerreißen und dadurch das Stresslevel der Bevölkerung steigt. Daher erhöht sich die Anfälligkeit für Stresserkrankungen (vergleiche Artikel über â†—Depression). Man nimmt aber auch die Vielfalt der Weltbilder und damit einen Grundstein für interessante und vielfältige Ideen und Lösungen. Ein Austausch im kleinen Rahmen ist super und hilfreich, aber nur, wenn er nicht durch äußere Zwänge wie Krieg, wirtschaftliche Not und ähnliches künstlich erzeugt wird und dadurch in unfreiwillige „Völkerwanderungen“ ausartet.

 

Bedeutung für andere Bereiche 

 

Eine anderer Punkt ist die Frage, wenn Sprache uns so prägt, wie beeinflussen uns dann frühe Erfahrungen und Erklärungen zu den MINT-Bereichen? Logische Herangehensweise, Denkweise und Beschreibung von Dingen? Und sind die derzeitigen Angebote, welche für Kinder vorhanden sind wirklich gute Lösungen? Besteht Wissenschaft aus bloßem Staunen und bewundern? Oder kommt die nachhaltige wirklich tiefe Form der Begeisterung für Wissenschaft nicht aus dem Verständnis von Zusammenhängen?! Dem Gefühl etwas begriffen zu haben und dass man nach mühseligen konzentrierter Arbeit zu Ergebnissen kommt, die man selbst von sich nie erwartet hätte?! Denn das Letztere ist in meinen Augen doch der wirkliche Spaßfaktor an Wissenschaft. Das fällt aber nicht vom Himmel, es muss gelernt werden und am besten durch Vorbild und mit Unterstützung von Erwachsenen. 

---anja---

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Letzte Änderung dieser Seite am 24.07.2017 um 14:21 Uhr

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